Das Kloster Wörschweiler als Grablege von Adel, Ritterstand und Klerus nach gefundenen Gräbern

Aus Historische Orte
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Auf Grundlage der gefundenen Gräber kann man schließlich eine dritte Gruppe bilden. Hinzu kommen hier die bislang entdeckten Gräber der Äbte. Der Autor konnte nicht alle Grabplatten entziffern bzw. identifizieren. Oftmals gelang dies dank der Veröffentlichung von Hermann Hahn, welche im Jahr 1900 bereits Fotografien enthielt[1]. Somit war ein Abgleich möglich. Es ist davon auszugehen, dass viele der Inschriften vor über 100 Jahren noch weniger verwittert waren.

Der Bogen des Arkosol-Tumbengrabs im südlichen Querschiff

In der Südwand des südlichen Querschiffs wurde ein Arkosol-Tumbengrab entdeckt. Der Bogen des Arkosol ist erhalten. In der Tumba erfolgten zwei Beisetzungen. Untersuchungen des unteren Skeletts führten zu den Ergebnis, dass es sich bei dieser zuerst bestattenen Person um eine Frau handelt. Die obere Grablege war geplündert und leer. Ebenso der Kirchenboden vor dem Arkosol[2]. In den Erinnerungen des Architekten Julius Kirsch an die Grabungskampagne findet man einen Rekonstruktionsversuch der Tumba. Möglicherweise gab es ein weiteres Arkosol-Tumbengrab im nördlichen Querschiff, welches weichen musste, als ein Durchgang zum Mönchsfriedhof geschaffen werden musste[3]

Aufgrund der Integration des Arkosol in diesem älteren Teil des Kirchenbaus, ging Schmoll gen. Eisenwerth davon aus, dass sich hier die Gräber der Stifterfamilie befanden haben könnten. Als weitere Grablege für die Stifterfamilie vermutet er den nördlichen Kapellenanbau[4]. Hier könnte man an auch an eine notwendige Umbettung aus dem nördlichen Arkosol denken. Die Vermutung liegt nahe, dass es sich bei der Frau im südlichen Arkosol um Gertrud von Saarwerden handeln könnte. Nachzuweisen ist das bislang nicht. Über den Verbleib des Skeletts trifft Schmoll 1981 keine Aussage[5]. Interessant wäre, ob es verbliebene DNA für einen Abgleich mit der DNA von Verwanden gibt, zum Beispiel Papst Leo IX. oder dessen Großtante Adelheid von Metz. Geht man davon aus, dass es zwei Arkosol-Doppelgräber gegeben hat, so kämen für diese Friedrich I. und seine Frau Gertrud, sowie deren Sohn Folmar I. und dessen Frau Stephanie in Betracht. Im Kloster Eberbach war eine solche Wandnische Ruhestätte der ersten Äbte[6].

Weitere Grabstätten von Stiftern vermutet Feldhaus in der ersten Bauphase der Vorhalle (Paradies), auf diesem Weg sollte seiner Ansicht nach das ursprüngliche Bestattungsverbot von Laien in der Klosterkirche umgangen werden[7]. Wie man aus Schmolls Ausführungen zum Arkosol-Tumbengrab (s.o.) ableiten kann, galt dieses Verbot für die unmittelbaren Stifter nicht. Dennoch mag Feldhaus' Vermutung für die Zeit nach dem Observanzwechsel zutreffen, da die nachfolgenden Zisterzienser erheblich länger an diesen Regeln festhielten[8].

Fotos von Öffnungen der Gräber im Kapitelsaal werden in einer Präsentation von Dr. Heribert Feldhaus gezeigt.

Die Grabplatten

Die meisten geborgenen Grabplatten wurden am Langhaus- bzw. Querhaus der Kirche aufgerichtet:

Die Grabplatten am Langhaus Die beiden Grabplatten am Querhaus

Diese Platten befinden sich im Römermuseum Schwarzenacker:

Zwei in der Literatur beschriebene Grabplatten fehlen:

Dieser Stein liegt noch in der Kircheruine:

Quellen

  1. Hermann Hahn, Die Grabsteine...S. 47ff
  2. J.A. Schmoll gen. Eisenwerth, Wie sah die mittelalterliche Baugruppe auf dem Wörschweiler Klosterberg aus? in „Kloster Wörschweiler 1181 – 1981“, Homburger Hefte, 1981, S. 29
  3. Dr. Heribert Feldhaus, Zisterzienserkloster und Schloss Louisenthal/Gutenbrunnen Wörschweiler, S. 10
  4. J.A. Schmoll gen. Eisenwerth, Wie sah die mittelalterliche Baugruppe auf dem Wörschweiler Klosterberg aus? in „Kloster Wörschweiler 1181 – 1981“, Homburger Hefte, 1981, S. 29
  5. J.A. Schmoll gen. Eisenwerth, Wie sah die mittelalterliche Baugruppe auf dem Wörschweiler Klosterberg aus? in „Kloster Wörschweiler 1181 – 1981“, Homburger Hefte, 1981, S. 29
  6. Wandnischengrab Kloster Eberbach
  7. Dr. Heribert Feldhaus, Zisterzienserkloster und Schloss Louisenthal/Gutenbrunnen Wörschweiler, S 10
  8. Hermann Hahn, Die Grabsteine des Klosters Wörschweiler, in Vierteljahresschrift für Wappen-, Siegel- und Familienkunde, Berlin 1900, S. 7f