Das Kloster Wörschweiler als Grablege von Adel und Ritterstand nach schriftlichen Quellen

Neben den Stiftern wurden in Wörschweiler auch weitere “Laien” - also keine Mönche der Zisterzienser – begraben. Diese Ausnahme ist auf eine Erlaubnis von Papst Alexander IV. zurückzuführen, der dieses Recht am 10. Januar 1256 für das Kloster verbriefte[1]. Nach Hans-Walter Herrmann war die Beisetzung von Laien auf den Klosterfriedhöfen und des Adels in den Klosterkirchen im allgeeinen bereits ab 1217 erlaubt[2]. Die Zisterzienser versuchten sich dem so lange wie möglich zu entziehen, um Berührungspunkte mit Laien zu vermeiden [1].

Die Grablegen des Adels und Ritterstands nach schriftlichen Quellen

Die Grafen von Saarwerden hatten die Klosteranlage nicht zuletzt für die Nutzung als Familienruhestätte gestiftet. Als solche wurde es von ihren Nachfolgern und deren Lehnsleuten bis zum Tod des letzten Grafen von Homburg genutzt. Bei den Ausgrabungen in den 1880er-Jahren hat man die Grabplatten im Klausurhof gehoben. 17 Grabplatten befinden sich noch heute in der Ruine - aufgestellt an der Außenwand der Basilika. 6 weitere Platten bzw. Fragmente befinden sich im Römermuseum Schwarzenacker. Die Grabstellen im Klosterhof wurden durch Betonplatten verschlossen bzw. markiert. Leider ist auch diese notdürftige Beschriftung zwischenzeitlich stark verwittert. Berichten der “Saarbrücker Zeitung” vom 16.11.2012 zufolge, sollen die Betonplatten durch Nachbildungen der Originale ersetzt werden und eine Beschriftung der Gräber angebracht werden.

Hermann Hahn hat vor über 100 Jahren umfangreiche Recherchen zum Kloster Wörschweiler als Begräbnisstätte durchgeführt. Er hat ein Verzeichnis, unterteilt in zwei Gruppen, erstellt. Für die erste Gruppe ist seines Erachtens belegt, dass diese Personen im Kloster begraben werden sollten oder wollten, jedoch nicht, ob dies dann auch erfolgte. Für die zweite Gruppe sei hingegen die Beisetzung im Kloster Wörschweiler überliefert[3].

In Hahns Aufstellungen sind die Grabsteine, welche im Kapitelsaal des Klosters gehoben wurden, noch nicht berücksichtigt. Sie wurden im Rahmen der Kampagne der 1950er Jahre ausgegraben.

Der Autor greift diese Aufteilung von Hahn auf - ggf. versehen mit Anmerkungen in eckigen Klammern zum ihm aktuell bekannten Stand. Hahn bezeichnete die Gruppen als „A“ und „B“.

Gruppe I - nach Hahn haben diese Personen ein Begräbnis in Wörschweiler verfügt oder gewünscht

  • Wilhelm von Dunzweiler (Urkunde v. 29.04.1247). Er und seine Frau Pantzerte verzichteten dafür auf eine Klage gegen das Kloster[4]. Er soll nach seinem Tod binnen eines Tages abgeholt und bei den Klosterbrüdern begraben werden.[5] [6] („bei den Klosterbrüdern“ meint bei den Mönchen und damit auf dem Friedhof vor dem Kloster).
  • Gertrud von Glitzenzellen (09.05.1261) - für ein Erbe bei Klingenmünster[8],[9]. "Glitzenzellen" konnte der Autor als "Gleiszellen" identifizieren.
  • Enela von Morsberg (Marimont-lès-Bénestroff) - im Gegenzug für eine Schenkung (17.05.1308)[12]. (Diese Schenkung, die als Gegenleistung ein Begräbnis im Kloster inklusive Abholung der Leiche verlangt, ist mit Datum vom 16.05.1308 auch in Neubauers Regesten dokumentiert[13] - allerdings ist der Name dort “Guela von Morsperg”.
  • Graf Friedrich (II.) von Saarwerden (1342) - für ein Vermächtnis[14] (vgl. Regesten Nr. 655[15]). Ergänzung: nach den Saarbrücker Regesten, lebt Friedrich 1357 noch, da ihm der Kaiser das Geleit für seine Grafschaft zuspricht[16]
  • Graf Arnold zu Hohenburg und Herr zu der Fels (03.06.1382) – bestätigt für sein gewünschtes Begräbnis in Wörschweiler alle Schenkungen seiner Vorfahren[17] [18].
  • Graf Johann zu Hohenburg und Herr zu der Fels (29.04.1434) - für weitgehende Rechte[19]. Der Grabstein des 1449 verstorbenen letzten Grafen von Homburg wurde in den 1950er-Jahren gefunden, somit ist das Begräbnis in Wörschweiler nun gesichert, siehe Grabplatte des Grafen Johann von Homburg. Vgl. außerdem in den Regesten, den Eintrag, nach welchen dieser Wunsch des Grafen am 29.04.1434 dokumentiert wurde – in der betreffenden Urkunde gibt er an, schon seine Eltern seien in Wörschweiler begraben. Somit ist nach Auffassung des Autors auch für Graf Arnold und seine Gattin die Bestattung in Wörschweiler schriftlich überliefert und diese beiden gehören somit in die nachfolgende „Gruppe II“[20].

Nicht bei Hahn aufgeführt ist der Priester "Jakob gen. vom Stocke (de Cipo)", welcher besiegelt durch die Kurie zu Trier, im März 1246 sein Begräbnis in Wörschweiler wünscht. Dafür vererbt er Haus und Hof bei der Moselpforte Trier dem Kloster und verspricht gleichzeitig den Bau eines Oratoriums auf seinem Anwesen[21]. Die Moselpforte befand sich bei Pfalzel. 1270 wird ein Streit des Klosters mit dem Trierer Bürger "Giselbert" zugunsten Wörschweilers entschieden, bei welchem es darum ging, dass dieser den Mönchen durch "Tor und Zaun" den Zugang zu diesem (benachbarten) Anwesen versperren wollte. Das Oratorium wird hierbei als gebaut erwähnt[21].

Gruppe II – nach Hahn ist für diese Personen die Bestattung im Kloster Wörschweiler schriftlich überliefert

  • Graf Ludwig II., der Jüngere, von Saarwerden. Graf Ludwig der Jüngere, fiel im Verlauf des fünften Italienfeldzug Kaiser Friedrichs I. Sein Tod ist demnach ca. 1176 zu datieren. Seine Gebeine wurden von Abt Balduin zurückgeführt und zwischen dem 12. März und dem 9. April 1180 im Kloster Wörschweiler beigesetzt[22] [23]. Nach der Quelle "Urkundliche Geschichte der ehemaligen Abteien und Klöster im jetzigen Rheinbayern, von Franz Xaver Remling, Pfarrer zu Hambach, 1836" (S. 239) fand die Beisetzung am 09. April 1179 statt. Dieses Datum ist auf eine das Kloster Eußerthal betreffende Urkunde zurückzuführen - Hermann Hahn geht hier von einer möglichen Rechnung in Marienjahren aus und hält 1179 für eher unzutreffend[22].
  • Graf Theoderich von Hohenburg - beurkundet nach 1180 durch seinen Sohn Graf Friedrich[24].
  • Graf Friedrich von Hohenburg - beurkundet durch Privilegiengewährung seines Sohns Theoderich für das Kloster am 12. Juni 1219[25].
  • Graf Folmar II. von Kastel - beurkundet am 08.05.1223 durch Schenkungen seiner Tochter Mechtildis, bestätigt durch ihren Bruder Graf Heinrich[26] (vgl. dazu auch die Regesten des Klosters[27]).
  • Gräfin Jutta - Gemahlin des Folmar II. von Kastel[28] (für Hahn nicht ausreichend bestätigt - vgl. auch hier die Regesten[27]).
  • Graf Johann(es) - Sohn des Grafen Heinrich von Kastel[29] (bei Andreas Neubauer datiert nach dem 27.01.1235[30]).
  • Graf Heinrich von Kastel - zwischen 1235 und 1237[31] (vgl. Andreas Neubauer, Regesten ...71: Die Witwe hätte das Kloster wohl nicht weiter bedacht, wenn ihr Gemahl nicht dort bestattet gewesen wäre).
  • Heinrich, Herr von Kirkel - bezeugt am 01.10.1242 durch Philipp von Falckenstein und am 02.10.1242 durch Johann und Arnold von Siersberg[32] (seine Neffen). Den Regesta Imperii ist zu entnehmen, dass Heinrich 1251 mit der Reichsburg Kirkel belehnt wurde[33]). Das ist auffällig, da aus den Wörschweiler Regesten vom 01. u. 02.10.1242 hervorgeht, dass Heinrich 1242 verstorben ist[34].
  • Ludwig IV. von Saarwerden - bezeugt am 01.04.1243 durch eine Schenkungsurkunde von dessen Vater Ludwig III. (Bruder des Heinrich von Kirkel), seine Frau Agnes und ihres Sohn Heinrich[35] (vgl. auch Andreas Neubauer, Regesten ...[36]).
  • (Graf Johann von Zweibrücken-Bitsch, verstorben am 23. Jan. 1337 - Hahn führt diesen Grafen wegen Zweifeln nicht in der Gruppe auf; nach Neubauers Regesten wäre er hier einzuordnen[38]).
  • Lambrecht von Kastel, seine Frau Katharina von Zweibrücken und deren Söhne Michel und Albrecht - bekannt am 24.06.1448 durch den Abt Johann von Wörschweiler[41] [42]. (Sie sollen vor dem St. Bernhards-Altar begraben sein[43] [44]. Albrecht und Michel werden am 12.05.1448 in einer Stiftung der Katharina bereits als „selig“ bzw. verstorben bezeichnet[45]. Vgl. hierzu auch "Die Grabplatte des Albert von Kastel"

Für Hermann Hahn sind die untersuchten Dokumente nicht in jedem Fall ein endgültiger Beleg für eine Beisetzung in Wörschweiler - für den

  • Graf Walram von Zweibrücken, fand er dies widerlegt[46], bei dem von ihm ebenfalls aufgeführten
  • Graf Johann von Zweibrücken (der als Sohn von Eberhard von Zweibrücken, wie sein älterer Bruder Simon, eigentlich "Zweibrücken-Bitsch" heißen müsste) hatte er erhebliche Zweifel[47]. Neubauers Regesten datieren den Tod von Graf Johann von Zweibrücken-Bitsch auf den 23. Januar 1337 und geben den Begräbnisort Wörschweiler an [48]).

Quellen

  1. 1,0 1,1 Hermann Hahn, Die Grabsteine des Klosters Wörschweiler, in Vierteljahresschrift für Wappen-, Siegel- und Familienkunde, Berlin 1900, S. 7ff
  2. Hans-Walter Hermann, Gründung, Aufstieg und Niedergang des Klosters Wörschweiler in „Kloster Wörschweiler 1181 – 1981“, Homburger Hefte, 1981, S. 14
  3. Hermann Hahn, Die Grabsteine des Klosters Wörschweiler, in Vierteljahresschrift für Wappen-, Siegel- und Familienkunde, Berlin 1900, S. 5f
  4. Hermann Hahn, Die Grabsteine des Klosters Wörschweiler, erschienen in Vierteljahresschrift für Wappen-, Siegel- und Familienkunde, Berlin 1900, S. 13
  5. Hermann, Hahn, Die Grabsteine des Klosters Wörschweiler..., S. 51
  6. Andreas Neubauer, Regesten des Kloster Wörschweiler..., S. 126, Nr. 131
  7. Hermann Hahn, Die Grabsteine des Klosters Wörschweiler, erschienen in Vierteljahresschrift für Wappen-, Siegel- und Familienkunde, Berlin 1900, S. 14
  8. Hermann Hahn, Die Grabsteine des Klosters Wörschweiler, erschienen in Vierteljahresschrift für Wappen-, Siegel- und Familienkunde, Berlin 1900, S. 14
  9. Andreas Neubauer, Regesten des Klosters Wörschweiler ..., S. 151, Nr. 214
  10. Hermann Hahn, Die Grabsteine des Klosters Wörschweiler, erschienen in Vierteljahresschrift für Wappen-, Siegel- und Familienkunde, Berlin 1900, S. 15
  11. Andreas Neubauer, Regesten des Klosters Wörschweiler ..., S. 166, Nr. 262
  12. Hermann Hahn, Die Grabsteine des Klosters Wörschweiler, erschienen in Vierteljahresschrift für Wappen-, Siegel- und Familienkunde, Berlin 1900, S. 15
  13. Andreas Neubauer, Regesten des Klosters Wörschweiler ..., S. 229f, Nr. 502
  14. Hermann Hahn, Die Grabsteine des Klosters Wörschweiler, erschienen in Vierteljahresschrift für Wappen-, Siegel- und Familienkunde, Berlin 1900, S. 15
  15. Andreas Neubauer, Regesten des Klosters Wörschweiler ..., S. 272, Nr. 655
  16. http://universaar.uni-saarland.de/regesten/regest/242
  17. Hermann Hahn, Die Grabsteine des Klosters Wörschweiler, erschienen in Vierteljahresschrift für Wappen-, Siegel- und Familienkunde, Berlin 1900, S. 16
  18. Andreas Neubauer, Regesten des Klosters Wörschweiler ..., S. 301, Nr. 770
  19. Hermann Hahn, Die Grabsteine des Klosters Wörschweiler, erschienen in Vierteljahresschrift für Wappen-, Siegel- und Familienkunde, Berlin 1900, S. 17
  20. Andreas Neubauer, Regesten des Klosters Wörschweiler ..., S. 329f, Nr. 879
  21. 21,0 21,1 Andreas Neubauer, Regesten des Klosters Wörschweiler ..., S. 125, Nr. 127
  22. 22,0 22,1 Hermann, Hahn, Die Grabsteine des Klosters Wörschweiler..., S. 17 - 31
  23. Gründungsurkunde, erstellt in Wattweiler - hier wird erwähnt, dass der Bruder des Grafen Ludwig des Älteren in Wörschweiler begraben wurde und dass er auf dem Feldzug des Kaisers in der Lombardei gefallen ist. Das ermöglicht eine Datierung seines Todes um 1176.
  24. Andreas Neubauer, Regesten des Klosters Wörschweiler, veröffentlicht durch den Historischen Verein der Pfalz e.V., 1921, S. 89f, Nr. 9
  25. Hermann, Hahn, Die Grabsteine des Klosters Wörschweiler..., S. 42
  26. Hermann, Hahn, Die Grabsteine des Klosters Wörschweiler..., S. 33
  27. 27,0 27,1 Andreas Neubauer, Regesten des Klosters Wörschweiler ..., S. 101f, Nr. 49 u. 50
  28. Hermann, Hahn, Die Grabsteine des Klosters Wörschweiler..., S. 34
  29. Hermann, Hahn, Die Grabsteine des Klosters Wörschweiler..., S. 34
  30. Andreas Neubauer, Regesten des Klosters Wörschweiler ..., S. 113, Nr. 91
  31. Hermann, Hahn, Die Grabsteine des Klosters Wörschweiler..., S. 34
  32. Hermann, Hahn, Die Grabsteine des Klosters Wörschweiler..., S. 36
  33. Belehnung des Heinrich von Saarwerden mit der Reichsburg Kirkel in den Regesta Imperii
  34. Andreas Neubauer, Regesten des Klosters Wörschweiler, veröffentlicht durch den Historischen Verein der Pfalz e.V., 1921, S. 121, Nr. 112, 113, 114
  35. Hermann, Hahn, Die Grabsteine des Klosters Wörschweiler..., S. 37
  36. Andreas Neubauer, Regesten des Klosters Wörschweiler ..., S. 122, Nr. 118
  37. Hermann, Hahn, Die Grabsteine des Klosters Wörschweiler..., S. 37
  38. Andreas Neubauer, Regesten des Klosters Wörschweiler ..., S. 267, Nr. 634
  39. Hermann, Hahn, Die Grabsteine des Klosters Wörschweiler..., S. 39
  40. Andreas Neubauer, Regesten des Klosters Wörschweiler ..., S. 328, Nr. 871
  41. Hermann, Hahn, Die Grabsteine des Klosters Wörschweiler..., S. 39
  42. vgl. Dr. Franz Xaver Glasschröder, Urkunden zur Pfälzischen Kirchengeschichte im Mittelalter. In Regestenform veröffentlicht, München und Freising 1903, Nr. 737
  43. Hermann, Hahn, Die Grabsteine des Klosters Wörschweiler..., S. 41
  44. Andreas Neubauer, Regesten des Klosters Wörschweiler ..., S. 338f, Nr. 912
  45. ebenda, S. 339, Nr. 913 und Glasschröder, Franz Xaver, Urkunden zur Pfälzischen Kirchengeschichte im Mittelalter, S. 293, München 1903, S. 294, Nr. 736
  46. Hermann, Hahn, Die Grabsteine des Klosters Wörschweiler..., S. 38
  47. Hermann Hahn, Die Grabsteine des Klosters Wörschweiler, erschienen in Vierteljahresschrift für Wappen-, Siegel- und Familienkunde, Berlin 1900, S. 38f
  48. Andreas Neubauer, Regesten des Klosters Wörschweiler ..., S. 267, Nr. 634
Zuletzt geändert am 6. November 2016 um 13:22