Tempelbezirk Bierbach

Aus Historische Orte
Wechseln zu: Navigation, Suche

Der Gallo-römischer Tempelbezirk am Rödersberg bei Limbach

("Gallo-römischer Tempelbezirk Bierbach")

1927 wurden bei Forstarbeiten im Bierbacher Klosterwald die Überreste eines antiken Heiligtums gefunden. Die Ausgrabung erfolgte noch im gleichen Jahr, unter der Leitung des damaligen Konservators Carl Klein.

Bei der Ruine handelt es sich um die Überreste einer Doppelanlage zweier gallo-römischer Kultstätten, angelegt als Umgangstempel. In einigen Quellen wird diese Kultstätte auch als „Tempelbezirk auf dem Rödersberg“ bezeichnet.

Eine Rekonstruktion eines der beiden Tempel kann vor dem nahe gelegenen Römermuseum (Freilichtmuseum) in Homburg-Schwarzenacker besichtigt werden.

Zusammenfassung des Ausgrabungsberichts von Konservator Carl Klein vom November 1927

(Quelle: „Germania. – 11 (1927/28), S. 121-127)

1927 führten Forstarbeiten im „Distrikt II Abteilung Ia Dunkeltal“ auf der Gemarkung von Bierbach zur Freilegung des gallo-römischen Tempelbezirkes.

Es wurden ein großer Teil einer Einfriedungsmauer sowie 6 bauliche Anlagen festgestellt. Bei zwei davon handelt es sich unzweifelhaft um Tempel, deren Fundamente unmittelbar nebeneinander liegen. Es fanden sich Reste der Tempelmauern. Beide Gebäude haben eine ungefähre Breite von 4,9 m und eine ungefähre Länge von 5,8 m. Jeder Tempel hatte einen Umgang. Die beiden Umgänge grenzten aneinander. Es wurden Postamentsteine für Stützen von Überdachungen der Umgänge entdeckt. Diese und die Frontmauern liegen in einer Flucht. Die beiden Tempel bildeten somit lt. Carl Klein einen Doppeltempel mit gemeinschaftlichem Umgang. Es folgt im Bericht des Konservators eine ausführliche Beschreibung des gefundenen Gesteins, der Quader, sowie der Geländebeschaffenheit. Es wird festgestellt, dass das Mauerwerk ohne Mörtel ausgeführt wurde. Daraus folgernd wird die Möglichkeit in Betracht gezogen, dass auf den Tempeln kein Dach ruhte, sondern ein gemeinschaftliches Dach für die Umgänge und beide Tempel vorhanden gewesen sein könnte. Spuren in einer Brandschicht weisen auf die Möglichkeit eines älteren Vorgängergebäudes hin.

Spuren vom Innenausbau wurden nicht entdeckt – weder ein Bodenbelag, noch Wandfarben konnten gefunden werden. Das bedeutet lt. Carl Klein nicht unbedingt, dass die Wände im Rohzustand waren – er hält es für möglich, dass es Wandverkleidungen von Wert gab – etwa aus Marmor – welche später anderweitig verwendet wurden.

Neben diesen beiden Bauwerken wurden Reste von vier weiteren Gebäuden festgestellt:

  • Ein Steinpodium aus Quadern, welches möglicherweise eine Jupitersäule trug.
  • Im Anschluss an das Podium wurde ein nach Süden offener quadratischer Bau gefunden, welcher vermutlich nicht überdacht war (Seitenlänge ca. 2,3 m). In diesem Raum könnte ein zur Jupitersäule gehöriger Altar aufgestellt gewesen sein.
  • Ca. 1 m von diesem Raum wurde die Fundamente eines ähnlichen, ebenfalls quadratischen Baus gefunden.
  • Im nördlichen Bereich des Areals wurde ein kreisrunder Bau von ca. 3 m Durchmesser freigelegt. Im oben angeführten Aufsatz geht Carl Klein von einem Brunnen oder einer Zisterne aus. Dies hatte er in einem früheren Artikel, erschienen in „Unsere Saar. – 2 (1927/28). S. 22-24“ aufgrund der Beschaffenheit des Mauerwerkes (nicht wasserdicht) noch ausgeschlossen.

'Eine Umfassungsmauer, die den Verlauf der Gebäude um ca. 33 m nach Nordwesten verlängert. Anschließend verläuft diese in einem rechten Winkel ca. 16 m nach Südwesten und in einem weiteren rechten Winkel konnte sie ca. 45 m zurück nach Südosten verfolgt werden. In Teilen der Mauer wurden Fragmente anderer - vermutlich zerstörter - Gebäude festgestellt.

Es ergibt sich ein Areal von ca. 60 m Länge.

Carl Klein führt in seinem Artikel (in der „Germania“) eine ausführliche Liste von Einzelfundstücken auf:

  • 206 Münzen (detailliert aufgeführt)
  • 1 Torso des Gottes Merkur
  • 1 Kopf einer unbekannten Göttin
  • 1 Bronzefingerring
  • 2 eiserne Beile
  • Scherben von Gefäßen usw.

Eine Datierung nimmt Carl Klein in beiden Artikeln nicht vor. Sie kann möglicherweise aus den Münzfunden abgeleitet werden.

Der Konservator hält es für hochwahrscheinlich, dass das Heiligtum als Doppeltempel zur Verehrung des keltischen Götterpaares Merkur und Rosmerta errichtet wurde.

Seiner Ansicht nach belegen der gefundene Merkur-Torso, sowie eine im Tempelbezirk gefundene Inschrift auf der Platte eines Gesimses eines Abdecksteins „DEO MERKURIO SOLINUS SATURNINI EX VOTO“, dass einer der Tempel dem keltischen Gott Merkur (gleichzusetzen mit dem römischen Gott Merkur) geweiht war.

Carl Klein geht daher davon aus, dass es sich bei dem nicht näher zu bestimmenden Kopf einer Göttin um die keltische Gottheit Rosmerta handeln müsse.

(Der zweite oben erwähnte Artikel von Carl Klein diente bei der Erstellung dieser Zusammenfassung ebenfalls als Quelle – sein Inhalt stimmt ansonsten größtenteils mit dem längeren Aufsatz aus der ersten Quellenangabe überein. Er enthält zusätzlich noch einen Grundriss der gesamten Anlage, erstellt von Carl Klein, aus welchem eine Gesamtlänge der Anlage von ca. 60 m hervorgeht).

Fotogalerie Tempelbezirk

Die Fotogalerie zeigt den Fundort im Jahr 2010. 2017 ist für den Laien vor Ort nichts mehr zu erkennen. Da die Stätte der abgegangen Tempelanlage in einem Naturschutzgebiet abseits der Wege liegt, kann sie nicht aufgesucht werden.